Am 21. Juni fand in Weimar die nunmehr 3. AWO-Sozialkonferenz statt. Fast 250 Teilnehmer diskutierten zum Thema „Chancengerechtes Aufwachsen in gemeinsamer Verantwortung – (An)Forderungen an eine Politik für Kinder, Jugendliche und Familien“. Es wurde ein-geschätzt, dass sich das Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) als rechtliche Grundlage des Kinder- und Jugendhilfesystems in den vergangenen 22 Jahren seines Bestehens bewährt hat.

Die Position von Kindern und Familien konnten gestärkt werden und die fachliche Entwicklung der Angebote für Familien wurde mit neuen Impulsen vorangebracht. Festzustellen ist jedoch, dass eine immer größere Lücke zwischen den Anforderungen des Gesetzes und der Umsetzungswirklichkeit entsteht. Sogenannte Soll-Leistungen fallen zunehmend dem Rotstift zum Opfer und bei den Leistungen mit Rechtsanspruch zeigt sich vielerorts eine Absenkung fachlicher Standards durch die Verweigerung bedarfsgerechter Hilfen. Die zu beobachtende Beschränkung des individuellen Leistungsanspruchs auf sogenannte unabweisbare Hilfe reduziert die Erziehungshilfen auf Krisenintervention und Kinderschutzaufgaben. Die aktuelle Debatte um die „Weiterentwicklung“ der Hilfe zur Erziehung steht unter dem Kostendämpfungsdruck und droht so, zu einer Strategie der Aushöhlung tragender Grundprinzipien der Jugendhilfe – Prävention, Partizipation, Lebensweltorientierung und Integration – zu werden. Auch in Chemnitz ist dies an konkreten Maßnahmen innerhalb der Entwicklungs- und Konsolidierungskonzeptes der Stadt deutlich spürbar. Ausgeblendet wer-den in den Diskussionen häufig die tatsächlich „kostentreibenden“ Faktoren, wie z.B. die Zunahme prekärer Lebenslagen von Familien mit Kindern sowie von bildungsbenachteiligten Jugendlichen ohne Schulabschluss oder Ausbildung (ca. 1,5 Millionen junge Menschen unter 29 Jahren) oder die Zunahme von Kinderschutzfällen.

Als Fazit wird festgestellt, dass die mehr als 2,5 Millionen von Armut betroffener Kinder in Deutschland ein erdrückender Beweis dafür sind, dass politische Institutionen hier bisher versagt haben. Verfehlte Prioritäten und falsche politische Entscheidungen lassen die Zahl der Kinder und Jugendlichen, deren Teilhabemöglichkeiten begrenzt sind, immer weiter steigen. Diese Entwicklung muss unbedingt gestoppt werden. Die Umstände, unter denen Kinder und Jugendliche aufwachsen, müssen sich verbessern. Das gelingt in erster Linie, indem Investitionen in Kinder, Jugendliche und Familien endlich tatsächlich als Investitionen in die Zukunft des Landes anerkannt und damit deutlich erhöht werden.

In einer „Weimarer Erklärung“ wird das Präsidium des AWO-Bundesverbandes die diskutierten AWO-Forderungen zeitnah zusammenfassen und verabschieden.

In Weimar beschlossen die TeilnehmerInnen der 3. AWO-Sozialkonferenz eine Resolution mit der Forderung nach mehr gesellschaftlicher Anerkennung und mehr Geld für Beschäftigte in Sozialberufen. In dieser Resolution wird festgestellt, dass die Anforderungen an die Mitarbeiter immer höher werden. Um diese Anforderungen zu erfüllen, werden gut bezahlte und hoch motivierte Fachkräfte benötigt. Verwiesen wird auf den drohenden Fachkräftemangel. Deshalb fordert die AWO  eine nachhaltige Gesamtstrategie, um sozialen Berufen endlich die Wertschätzung zu geben, die sie verdienen und den Fachkräftemangel in Sozialberufen genau so ernst zu nehmen, wie in anderen Branchen. Den Wortlaut der Resolution können Sie hier downloaden [PDF].