Ich habe das Beste aus meinem Leben gemacht und bereue nichts
Trümmer, Hunger, Wiederaufbau. Eine Zeit, geprägt von Nachkriegswirren und Mangel an Lebensmitteln und Material. Diese Nachkriegszeit war schwierig zu bewältigen.
Eine Zeit, die nicht in Vergessenheit geraten sollte. Jeder Mensch mit seiner individuellen Geschichte und den unterschiedlichsten Schicksalsschlägen ist es wert, gehört und wertgeschätzt zu werden. Genauso wie die Geschichte von Brigitte Vogel, ein Nachkriegskind, geboren am 13.05.1946 in Siegmar-Reichenbrand.
Sie wuchs behütet in einer Familie mit einer älteren Schwester und einem jüngeren Bruder auf. „Ich hatte immer einen guten Kontakt zu meiner Familie, bis jetzt“, berichtet sie stolz.
1953 wird Brigitte eingeschult und besucht acht Jahre die Schule. Schon in solch jungen Jahren wächst Brigitte über sich hinaus, da ihre Mutter oft krank war. Sie musste früh Verantwortung im Haushalt übernehmen. So sagt sie: „Dadurch bin ich eher erwachsen geworden“. Nach ihrem Schulabschluss 1961 machte sich die 15-jährige Brigitte gemeinsam mit ihrer Freundin auf den Weg, einen Beruf zu finden. „Ich wollte Frisöse werden, doch dafür war ich zu klein“, erinnert sie sich. Schließlich fand Brigitte Vogel eine Lehrstelle als Schirmmacherin in Siegmar. „Der Beruf war interessant, denn das Gestell wurde zwar mechanisch hergestellt, aber wir haben schon als Lehrlinge vieles mit der Hand gelernt“, so berichtet sie. Doch trotz ihres großen Interesses an diesem Beruf fand ihre Lehre ein frühes Ende, da sie im Jahr 1963 unerwartet schwanger wurde. „Im gleichen Jahr kam dann mein Sohn Jens zur Welt. Mit Unterstützung meiner Eltern konnte ich mein Kind großziehen und ich begann, im Fahrradwerk Elite-Diamant als Schreibkraft zu arbeiten.“ Über die Jahre lernte sie ihren späteren Mann kennen, den Brigitte 1966 heiratete und mit dem sie ihr zweites Kind erwartete. Während dieser Schwangerschaft kam es jedoch zu Komplikationen, die für das ungeborene Kind gefährlich wurden. Brigitte Vogel erkrankte an Röteln. Im November 1966 kam ihre Tochter Katrin gehörlos zur Welt. Dieses Ereignis prägte Brigitte stark. So berichtet sie: „Da bleibt für eine Mutter erst einmal die Welt stehen." Die Betreuung des Kindes machte es notwendig, ihre berufliche Tätigkeit zeitweise einzuschränken und auf Heimarbeit umzusteigen. Als ihre Tochter drei Jahre alt wurde, ging sie nach Leipzig an ein Gehörloseninternat. Dadurch konnte sich die zweifache Mutter wieder verstärkt auf ihre berufliche Tätigkeit konzentrieren. Brigitte begann bei der Deutschen Post als Zustellerin zu arbeiten und absolvierte ihren Teilfacharbeiter. „Ich hatte endlich etwas Schriftliches in der Hand und das war mir wichtig“, berichtet sie. Durch ihre Tätigkeit bei der Post ergab sich ihr die Möglichkeit, den Führerschein zu erwerben. Mit dem Trabi übernahm sie anschließend die Zustellung in den Stadtrandgebieten, was ihr große Freude bereitete. Doch auch dies war nicht von langer Dauer. Brigitte Vogel musste ihren Beruf erneut aus gesundheitlichen Gründen beenden. Trotz dieser neuen Hürde ließ sie sich nicht aufhalten. So zog sie mit ihrem Mann in eine Schule und sie fingen gemeinsam an, als Hausmeisterehepaar zu arbeiten. Nachdem ihre Tochter 18 Jahre in Leipzig verbracht hatte, kehrte sie nach Chemnitz zurück und zog ebenfalls in die Schule ein. Fünf Jahre später beendete Brigitte ihre Tätigkeit als Hausmeisterin und orientierte sich ein letztes Mal neu. Sie wechselte in einen Kindergarten, wo sie gemeinsam mit ihrer Tochter arbeitete.
2006 trat sie in den verdienten Ruhestand und widmete sich verschiedenen Hobbys. So sitzt die inzwischen 79-Jährige stolz und zufrieden in ihrer Wohnung und blickt im Gespräch auf ihr Leben zurück und erzählt, wie sie die DDR rückblickend empfindet. „Das Leben in der DDR war überwiegend positiv geprägt.“
Abschließend möchte Brigitte Vogel besonders der jüngeren Generation noch etwas mit auf den Weg geben: „Seid aufmerksam, verschließt euch nicht und geht immer vorwärts. Das, was ich in meiner Jugend verpasst habe, kann ich nicht nachholen, also erreicht schon in jungen Jahren, was möglich ist.“
Das Gespräch führte Laura Jahn (Klasse 11/3).




