Ich nehme alles so wie es kommt und schaue dann mal weiter

Gabriele Meinel ist eine starke, selbstbewusste und sehr hilfsbereite Frau. Sie wurde 1949 in der Lutherstadt-Wittenberg geboren und ist in der DDR aufgewachsen. In einem Interview hat sie von ihrer Kindheit und ihrem Berufsleben berichtet.

„Meine Kindheit war sehr schön und ich bin sehr behütet großgeworden“, so beschreibt Gabriele Meinel ihre Vergangenheit. Aufgewachsen ist sie in der Lutherstadt-Wittenberg. Zusammen mit ihren Eltern, Großeltern und ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester lebte sie in einem Mietshaus mit großem Hof und Garten. Als Kind besuchte sie erst den Kindergarten und danach von 1955 bis 1965 eine Grund- und Oberschule in ihrer Heimatstadt. „Mir hat das Lernen viel Freude bereitet“, so berichtet sie. Die Schule ist ihr leichtgefallen ist, Deutsch und Erdkunde waren ihre Lieblingsfächer und nebenbei kümmerte sie sich noch um die Schulbibliothek.

Nach dem Schulabschluss war Gabriele Meinel sich noch überhaupt nicht sicher, was sie mit ihrem Leben anfangen sollte. „Anders als meine Schwester, welche ihren Kindheitstraum eines Lehrerberufes auch erlernt hat, hatte ich nie wirklich einen Traumberuf, den ich verfolgen wollte“, so erzählt es Gabriele Meinel. Sie hat schon als Kind gerne anderen Menschen geholfen, wie zum Beispiel ihren kranken Tanten das Essen bringen oder sich in der Kirche beteiligen. Krankenpflegerin stand für sie jedoch nicht zur Debatte.

Nachdem sie Praktika in einem Kindergarten und in einer Bibliothek absolviert hatte, war sie sich auch bei diesen Berufen sicher: Das wollte sie nicht jeden Tag bis ans Ende ihrer Arbeitskarriere machen. Als ein Freund ihres Vaters ihr vorschlug, doch Industriekauffrau zu erlernen, wurde ihr Zukunftsberuf eher durch Zufall bestimmt.

So absolvierte sie eine dreijährige Ausbildung zur Industriekauffrau im Wittenberger VEB Wittol, einem Betrieb, der Fußbodenpflegemittel und Kerzen herstellte, und der Beruf machte ihr sehr viel Spaß. Von dem Betrieb wurde sie dann von 1968 bis 1971 zu einem Studium der „Ökonomischen Kybernetik und Datenverarbeitung“ an der Fachschule für Ökonomie in Rodewisch delegiert.

In dieser Zeit lernte sie ihren ehemaligen Mann kennen. Dieser lebte damals in Klingenthal und sie hat ihn häufig mit einem Moped besucht, erzählt sie stolz. Gemeinsam bekamen sie ihr erstes von drei Kindern. Zu ihrer Zeit war es vollkommen normal, im Studium Kinder zu bekommen und so bewältigte sie in Teamarbeit mit ihrem Mann ihr Studium.

1970 fand ihre Hochzeit statt. Heute lebt Gabriele Meinel jedoch seit vielen Jahren geschieden.

Nach dem Studium zog sie mit Mann und Kind nach Karl-Marx-Stadt und war dort von 1971 bis 1975 als EDV-Organisatorin im VEB Buchungsmaschinenwerk tätig. Ehrenamtlich betätigte sie sich mit viel Freude in der Jugendredaktion des Betriebsfunkes. 1975 bis 1981 war sie mit ihrer Familie zu einem Auslandseinsatz in der Botschaft der DDR in Warschau, wo sie als Leiterin der Finanzbuchhaltung arbeitete.

Wieder in Karl-Marx-Stadt übernahm sie bis 1988 eine Tätigkeit als Leiterin der Kostenrechnung im VEB Buchungsmaschinenwerk. Im Jahr 1988 ging es erneut zu einem Auslandseinsatz und zwar in die Botschaft der DDR in Budapest. Hier konnte sie bis 1989 mit ihrem dritten Kind das Babyjahr genießen.

Auch heute ist Gabriele Meinel noch immer eine sehr beschäftigte Frau. Sie arbeitet viel ehrenamtlich und greift immer mal wieder gerne Hobbys aus ihrer Kindheit auf, beispielsweise das Stricken, Schwimmen oder Lesen. Klavierspielen, wie sie es acht Jahre während der Schulzeit tat, kann sie leider nicht mehr – es gab einfach keinen Platz dafür in der Neubauwohnung.

Als ich sie befragte, was sie in der heutigen Zeit vermissen würde, erwiderte sie: „Eigentlich nichts, außer vielleicht, dass die heutige Kindheit nicht mehr ganz so gefahrlos verläuft, wie zu damaliger Zeit.“

Das Gespräch führte Maja K. Schellenberg (Klasse 9/4).